„Das macht die Unternehmen irre sexy“ – vom neuen „Fortschrittsindex Vereinbarkeit“

 Younosi (SAP), Stienen (Vizepräsidentin BPM) und Oltmanns (Roland Berger) diskutieren auf der herCAREER-Messe am 12.10.2018

 

 „Das macht die Unternehmen irre sexy“, meint Christa Stienen zu familienfreundlichen Maßnahmen auf dem Podium. Auch Torsten Oltmanns und Cawa Younosi finden das. Oltmann, Stienen und Younosi diskutierten und Frau Schiedering moderierte unter dem Titel „Family Matters – der neue Fortschrittsindex Vereinbarkeit“. Mit dem „Fortschrittsindex Vereinbarkeit“ wird ein Instrument vom Familienministerium gemeinsam mit dem Bundesverband der Personalmanager und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag im Herbst 2018 ins Leben gerufen, womit wir Familienfreundlichkeit „einfach“ von Unternehmen messen können. Einfach heißt ohne viel Aufwand, weil die benötigten Daten und Fakten nicht extra erhoben werden müssen, sondern bereits vorliegen.

Was ist das Problem? 

Ausgangspunkt der Diskussion war der Fakt, dass viele Unternehmen mit Familienfreundlichkeit werben, aber in der Praxis wenig bis gar nichts passiert. Es gibt also ein Auseinanderklaffen zwischen familienfreundlichen Programmatiken und familienfreundlichen Praktiken. Offenbar erreichen aus unterschiedlichen Gründen viele familienfreundliche Maßnahmen die Familien gar nicht. Das ist ein Problem. 

 

Welche Problemlösungsstrategie eignet sich?

Der „Vereinbarkeitsindex Vereinbarkeit“. Dieser „zeigt anhand von Zahlen und Fakten in den wichtigen Handlungsfeldern der NEUEN Vereinbarkeit messbare Erfolge und positive Entwicklungen der letzten Jahre auf, u.a. die steigende Väterbeteiligung im Elterngeld, die steigende Müttererwerbstätigkeit und das steigende Engagement von Unternehmen. Beispielhaft werden die vielfältigen Aktivitäten der Partner aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften zur Förderung einer familienfreundlichen Arbeitswelt vorgestellt.“

Was ist daran besonders gut? Besonders gut ist daran, dass alle Unternehmen dieses Instrument ohne großen Aufwand heranziehen können, da die Daten und Fakten zum Unternehmen, die zur Messung benötigt werden, stets vorliegen und nicht extra erhoben werden müssen. 

 

Was sind Herausforderung bei der Umsetzung von Vereinbarkeitsmaßnahmen? 

  1. Wir müssen sehen, dass Maßnahmen in Abhängigkeit u.a. der Unternehmenskultur und vor allem Größe überall unterschiedliche Auswirkungen haben können. Z.B. Kann Home-Office als familienfreundliche Strategie in einem IT-Unternehmen wunderbar gut funktionieren, aber in einem Betrieb, in welchem Anwesenheit (Handwerksberufe etwa) Pflicht ist/sein muss, nicht anwendbar ist. Es gibt keinen Masterplan, der für alle Unternehmen funktioniert. Es müssen gemeinsam Konzepte entwickelt werden.
  2. Wir brauchen eine starke Vernetzung von Expert*innen aus der Wirtschaft, Wissenschaft und Fachpraxis (inkl. Mitarbeitende).   
  3. Vereinbarkeit muss gelebt werden und das bedeutet, dass...
    1. ...man mit seinen Mitareiter*innen kommunizieren muss. Younosi berichtet von dem Fall „Väter in Elternzeit“. Es reicht nicht anzukündigen, dass man dafür ist, sondern man muss mit den Mitarbeiter*innen sprechen. Die Zahlen von Vätern, die länger als 2 Monate Elternzeit genommen haben, hat sich im Anschuss an die Gespräche mit den Mitarbeitenden verdreifacht.
    2. ....Vorgesetzte das Konzept auch leben. Zum Beispiel, so Younosi: „Wenn eine Arbeit nach 22 Uhr eintrifft, frage ich nach, ob alles okay ist. Wenn jemand gerne um die Uhrzeit eine Email schreiben will, soll er das machen, aber es ist definitiv nicht die Norm. Sie sollen dann regulär nicht arbeiten“, so Younosi.  
  4. Wir müssen, so Frau Stienen, uns über den Familienbegriff klar werden und ihn neu definieren. Familie ist mehr als Mutter, Vater und Kind(er). Regenbogenfamilie u.a. 
  5. Es braucht, wie Younosi darlegt, eine regelmäßige Feedbackkultur – die sollte selbstverständlich sein. 
  6. Es muss mehr als ein „Lippenbekenntnis“ sein. Younosi berichtet davon, dass sie einmal im Jahr einen People Survey durchführen und darin eine Frage zur Zufriedenheit bzgl. der familienfreundlichen Maßnahmen haben. 
  7. Herausforderungen lassen sich begegnen, indem man lernen will. 

 

Wo gab es klare Differenzen in der Argumentation? 

Es gab kaum Differenzen. Alle sprechen sich klar für Familienfreundlichkeit aus und auch dafür, dass kontextbezogen unterschiedliche Maßnahmen „gemacht“ werden müssen. Ebenfalls war klar, dass es nicht nur ein Projekt für reiche Unternehmen oder große Unternehmen ist, sondern für alle. Denn: Familienfreundlichkeit zahlt sich aus.

Differenzen gab es bei zwei Punkten

  1. „Druck vs. Motivation“. Younosi hat sich klar gegen Druck ausgesprochen. Von Verpflichtungen zu familienfreundliche Maßnahmen halte er nichts, sondern es geht um die eigene Motivation und die Lust am Lernen. Die kann man nicht verordnen, so seine Meinung. 
  2. Junge Mitarbeitende wollten überspitzt formuliert 24Std. Arbeiten (Oltmanns) vs. von jungen Mitarbeitenden wird erwartet, dass sie permanent flexibel sind (Stienen).

 

Was zeigte sich für Family Concierge in der Diskussion?

Das Familien in den Blickpunkt gehören. Denn die Einführung von familienfreundlichen Maßnahmen zahlt sich für Familien und Unternehmen aus. Es ist eine Win-Win-Situation: Der Index ist ein sinnvolles Instrument, um die Wirkung von Maßnahmen zu bestimmen, allerdings ersetzt es das persönliche Gespräch mit den Mitarbeitenden nicht. Zahlen alleine können Orientierungen geben, aber nicht wirklich über Inhalte informieren bzw. darüber, was die Bedarfe von Familien sind. 

 

Zu den Diskutanten: 

Prof. Dr. Torsten Oltmanns

Roland Berger Strategy

Consultants, Partner

Christa Stienen 

Bundesverband der Personalmananger e.V. (BPM), Vizepräsidentin

Cawa Younosi

Head of Human Resources Germany / Mitglied der Geschäftsführung SAP Deutschland bei SAP

Und die Moderation übernahm:

Dr. Katharina Schiederig
Leiterin der Bundesgeschäftsstelle, Bundesverband der Personalmanager (BPM)

 

0
0
0
s2sdefault

Buchbesprechungen

21. Februar 2019
29. Dezember 2018

weitere Buchbesprechungen: hier

Beitrag einreichen

Es würde uns freuen, wenn Sie sich an diesem Erfahrungsaustausch beteiligen und einen eigenen Beitrag einreichen.

Kontaktformular
Hier können Sie uns Ihre Nachricht senden.
Zum Kontaktformular von Familyconcierge Familyconcierge auf Facebook Familyconcierge auf Twitter Familyconcierge auf Instagram Familyconcierge auf Linkedin Familyconcierge auf Xing Zum Blog von Familyconcierge