Der Übergang vom Kindergarten zur Vorschule für „Kann-Kinder“

Sophie und Max: Fragen über Fragen und langsam, nach vielen Gesprächen und Anrufen lichtet sich der Wald der Infos rund um den Übergang vom "Kann-Kind" im Kindergarten zum Vor- bzw. Schulkind.

Theo: Ich bin Theo und werde dieses Jahr 5 Jahre alt. Ich will gerne zur Vorschule in meinen Kindergarten. Aber dort gibt es bestimmte Regelungen und ich darf wohl nicht, da ich ein „Kann-Kind“ - wie sie sagen - bin. Meine Erzieherin im Kindergarten sagt auch, dass es hierbei nichts zu überlegen gibt und ich die Voraussetzungen erfülle. Und wenn ich Lust auf die Schule habe, dann passt es doch sehr gut. Sie sagte aber auch, dass es vermutlich keinen Platz für mich gibt. Das ärgert mich und meine Eltern auch.

Sophie: Ja, mein Kind ist also ein "Kann-Kind" und ich bin bis heute davon ausgegangen, dass mein Kind kann, aber nicht muss. Da das Thema so emotional aufgeladen ist: Nein, es geht hier nicht um Superheld*innen-Geschichten von späteren Nobelpreisträger*innen etc., sondern einfach darum, dass unser Sohn jenseits des Alters mit Blick auf die Person vorschulreif ist. Daher habe ich mir vorgestellt, dass er nach dem Sommer in diesem Jahr mit der Vorschule in seiner Kita beginnen kann, gemeinsam mit seinem Cousin und Freunden. Nachdem jedoch alle 4,5-jährigen zum Gespräch in die Kita und anschließend in die Schule geladen wurden, nur mein "Kann-Kind" nicht, habe ich mir angefangen Warum-Fragen zu stellen. Erstmal fragt man ja die Eltern im näheren Umfeld, anschließend die Kita, leider habe ich nicht wirklich zufriedenstellende Antworten erhalten.

Also, wer ein "Kann-Kind" ist und wer nicht, hatte ich schon für mich geklärt. Welche Kinder als „Kann-Kinder“ definiert werden, ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Wer wissen möchte wie es konkret geregelt ist, der kann das ganz wunderbar unter folgendem Link nachlesen http://www.kinder-tipps.com/kindergarten-schule/stichtag-einschulung/.
Aber darf mein "Kann-Kind" denn nun gemeinsam mit den "Muss-Kindern" in die Vorschule oder gar eingeschult werden? Mit den Fragen habe ich mich an die Beratungsstelle der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung gewendet und folgende Antworten erhalten:

Wann darf ein "Kann-Kind" oder besser gesagt, wann dürfen Kinder in die Vorschule gehen?
Kinder dürfen ab dem 5. Lebensjahr in die Vorschule gehen. Ob Vorschule in der Kita oder in der Schule, das muss mit der jeweiligen Einrichtung besprochen werden. Der Vorschulplatz in der Schule muss offiziell beantragt werden. Dafür gibt es Fristen, die beachtet werden müssen. „Kann-Kinder“ dürfen die Vorschule auch ab dem 6. Lebensjahr besuchen.

Müssen Kinder in die Vorschule gehen?
Nein, die Vorschule ist eine Vorbereitung auf die Schule und dient in erster Linie Kindern, die etwas „auf-/nachzuholen“ haben. Die Plätze sind begrenzt und werden nach folgendem Prinzip vergeben: Erstmal kommen die bereits erwähnten Kinder, dann die „Muss-Kinder", also die Kinder, die im darauf folgenden Jahr eingeschult werden und erst dann, also wenn Plätze frei verfügbar sind, dürfen/können die „Kann-Kinder“ aufgenommen werden. In vielen Bundesländern ist die Anzahl der Vorschulplätze jedoch äußerst begrenzt.

Wo findet die Vorschule statt?
Die Vorschule kann in der Kita als auch in der Schule stattfinden. Es gibt einen Link für Hamburg, der zeigt einem, welche Schule bezirksabhängig zuständig ist. In München findet man die Grundschule, die einem zugewiesen wird, des jeweiligen Sprengels hier. Das ist hilfreich! 

Haben Kinder einen gesetzlichen Anspruch auf einen Vorschulplatz?
Nein. Kinder haben kein Recht auf einen Vorschulplatz, da es keine Vorschulpflicht gibt. Entgegen der Schulpflicht, die ebenfalls per Stichtag geregelt ist.

Was ist das "4,5-Jährigen Gespräch"?
Das "4,5-Jährigen-Gespräch" ist ein Vorbereitungsgespräch für die Vorschule. Es findet an 2 Terminen in zwei Einrichtungen statt. In der aktuellen Betreuungseinrichtung (z.B. Kita) und der Schule. Die Kita gibt ihre Einschätzung über die Entwicklung und Fähigkeiten weiter an die Schule. In der Schule wird über die Einschätzung gesprochen und die Kinder bekommen Aufgaben, die sie bearbeiten müssen. Dies dient der weiteren Einschätzung des Kindes –z. B., ob das Kind eine besondere Förderung braucht, könnte in diesem Gespräch thematisiert werden.

Warum werden "Kann-Kinder" nicht zum "4,5-Jährigen-Gespräch" eingeladen?
Ein 4,5-Jährigen-Gespräch nennt sich so, da „Muss-Kinder“ zu diesem Zeitpunkt ca. 4,5 Jahre alt sind, da das Gespräch turnusgemäß 1,5 Jahre vor der Einschulung stattfindet. Für „Kann-Kinder“ bedeutet das, sie werden nicht mit 4,5 eingeladen, sondern sie sind entweder schon 5 oder kurz vor ihrem 5. Geburtstag wenn ihr Vorbereitungsgespräch stattfindet.

Abschließend stellt sich mir die Frage, was denn ist, wenn mein „Kann-Kind“ nicht den Platz in der Vorschule bekommt und ich Theo nun doch mit 6 Jahren einschulen möchte und nicht mit 7 Jahren? Mir ist klar, dass der Vorschulbesuch, ob im Kindergarten oder in der Schule, keine Bedingung zur Zulassung für die 1. Klasse ist. Aber einerseits ist es ungerecht, wenn nicht alle Kinder aufgrund ihres Alters die gleichen Teilhaberchancen haben und  darüber hinaus frage ich mich, ob der Nicht-Besuch der Vorschule als Grund herangezogen wird, um den früheren Schulstart abzulehnen. Etwa: „Naja, ihr Kind war ja nicht in der Vorschule?“ Schränkt uns diese Tatsache dann wieder ein?

Ich werde berichten sobald ich die Erfahrung gemacht habe.

Ihr habt selbst Erfahrungen mit "Kann-Kindern" im institutionellen Kontext? Schreibt Family Concierge und berichtet was ihr erlebt habt. Wir freuen uns darauf und Eltern werden euch danken!

 

Sophie und Max mit ihrem Kind Theo.

 

 

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